Ehrenfremden-Appartement

Neben dem im Norden platzierten Privatappartement befindet sich mit dem Ehrenfremdenappartement ein weiteres privates Wohnappartement in der zweiten Etage von Schloss Drachenburg. Im großen Ehrenfremdenwohnzimmer besticht die holzmaserierte Stuckgipsdecke mit Schablonenmalereien. Die Decke weist zahlreiche originale Befundfenster auf, die die ursprüngliche, freigelegte Malschicht zeigen. Die Ausstattung des Raumes orientiert sich an historischen Beschreibungen. Die bräunlichen Tapeten, der große Buffetschrank aus hellem Eichenholz, von der Kölner Firma Pallenberg hergestellt, die reichverzierte Sitzgruppe aus Nussbaum und die dunkelroten Stoffe präsentieren den Raum in gedämpfter, gründerzeitlicher Atmosphäre. Von den buntverglasten Oberlichtern wurde eines aus den Trümmern des 2. Weltkrieges gerettet und dem Schloss in jüngerer Zeit zurückgegeben: ein Jüngling, mit „seiner eigenen Vorliebe für Musik und Gesang“, dargestellt mit einer Laute. Die übrigen Fenster daneben stellten die Kindheit (Früchte und Naschwerk), Erwachsenenzeit (Arbeitszeug und Waffen des tätigen, vollkräftigen Mannes) und das Greisenalter (Bibel) dar.

Einen ganz anderen Raumeindruck vermittelt das neben dem Wohnzimmer gelegene Ehrenfremdenschlafzimmer, das in freundlichen, gar heiteren, hellen Wohnfarben gestaltet ist. Entsprechend den historischen Befunden (z. B. Nagelungen der ursprünglichen Wandbespannung), den schriftlichen Quellen (z. B. 1884: Proelss, Frankfurter Zeitung: „ … hellgemusterte Möbel und lichte Stofftapeten der im Marie-Tudor-Geschmack eingerichteten Fremdenzimmer…“) und einer überlieferten Fotografie aus dem Jahr 1903 wurde der Raum wieder mit einer floralen Wandbespannung und weißen Lackmöbeln eingerichtet. Auch die Decke erstrahlt wieder weiß mit blau-aprikot-farbenen Schablonierungen. Hier konnte die originale Schablonierung partiell freigelegt und teilweise rekonstruiert werden. Die Durchgangstür zum Ehrenfremden-Wohnzimmer hat sich in ihrer originalen Farbigkeit erhalten.

Der Erker im Südwesten diente ursprünglich als Toiletteerker, eine reizvolle Vorstellung, sich mit diesem herrlichen Blick über das Rheintal umzukleiden und zu erfrischen. Das Ehrenfremden-Schlafzimmer hat, wie viele Schlossräume, eine bewegte Geschichte hinter sich – ab den 1930er Jahren diente es als Klassenraum. Der letzte Privatbesitzer Paul Spinat richtete im Erker einst eine Papageien-Voliere ein, das Ehrenfremdenschlafzimmer erfüllte ein phantasievolles glänzendes Barock- bzw. Rokoko-Chippendale-Ambiente. Das östlich vom Nebenflur im Gästeappartement gelegene „Kleine Ehrenfremden-zimmer“ ist ebenfalls – gemäß den schriftlichen Quellen und Inventarverzeichnissen – als Schlafzimmer, vornehm feminin eingerichtet. Im frühen 20. Jahrhundert diente der Raum nicht mehr als Fremdenzimmer sondern als Mädchenzimmer (für die Dienstmädchen der Gäste).

Geradeaus führt der Nebenflur in das südliche Nebentreppenhaus, das, wie das Treppenhaus im Norden, alle Geschosse miteinander verbindet und durch das die Dienerschaft z.B. direkt in die Wirtschaftsräume im Souterrain gelangen konnte.