Musiksaal

Der Musiksaal ist der einzige Gesellschaftsraum der 2. Etage. Er besitzt ein neogotisches Netzgewölbe und aufwändige Wandvertäfelungen (Entwurf Franz Langenberg, Durchführung Firma Vershoven, Bonn). Der Raum ist in seiner ursprünglichen Ausstattung und mit späteren Ergänzungen dem Thema der „Musik“ gewidmet. Wie früher befindet sich auch heute im Musiksaal ein eigens für Schloss Drachenburg gefertigter Flügel. Er erinnert an die Ära, als unter dem Neffen des Erbauers das Schloss zur Besichtigung geöffnet und die Räume als Gesellschafts-salons der Sommerfrischegäste aus den Nordischen Blockhäusern und aus dem Hotel Burghof genutzt wurden.

Im Juni 1909 verkaufte die Klavier- und Orgelherstellerfirma Ibach aus Schwelm bei Wuppertal an den zweiten Schlossbesitzer Jakob Hubert Biesenbach diesen eigens für den Musiksaal des Schlosses angefertigten Glockenflügel. Das Einzelstück war mit einem Sondergehäuse versehen, dessen Schnitzwerk – ein Relief mit Weintrauben – auf das der Wandvertäfelung des Raums abgestimmt ist. Biesenbach erwarb das Konzertinstrument, nachdem er einen anderen schwarz lackierten Ibach-Glockenflügel (Instrument-Nr. 42223) der angemietet worden war, kurz zuvor zurückgegeben hatte. Historische Ansichten aus der Zeit nach 1909 belegen, dass der einzigartige Glockenflügel aus Nussbaumholz zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre im Musikzimmer von Schloss Drachenburg aufgestellt war und Musizierzwecken diente. Mit Schließung der katholischen Heimschule St. Michael 1938 wurde das Instrument veräußert. Durch glückliche Umstände konnte der Flügel 2001 für das Schloss zurückgekauft werden.

Der Glockenflügel ist ein extravagantes und äußerst selten gebautes „Konzertinstrument mit Charme“ (Ibach), also eine historische Rarität. Die Fa. Ibach selbst fertigte lediglich sechs Exemplare dieser Sonderform an. Der Glockenflügel erhält seinen Namen auf Grund seiner speziellen Bauform: von oben gesehen ähnelt die Umrissform des Klangkörpers einer Glocke, das Instrument ist annähernd achssymmetrisch, so dass es auch als „symmetrischer Flügel“ bezeichnet wird. Sein Flügeldeckel lässt sich nach hinten öffnen, und im Innern werden die langen Saiten für die tiefen Töne diagonal über die kurzen Saiten für die hohen Töne geführt.

Als weiteres „Instrument“ beherbergt der Raum eine neogotische „Orgel“ auf der neobarocken Balustrade an der Ostwand. Diese erinnert wiederum an den letzten, skurrilen Privatbesitzer Paul Spinat (Besitzer von 1971 bis 1989). Es wird berichtet, dass Spinat Orgelkonzerte für seine Gäste veranstaltete. Die Musik allerdings kam von einem Tonbandgerät, denn die Orgel ist lediglich eine Attrappe.

An den Wänden des Musiksaales konnten die Schablonenmalereien des 19. Jahrhunderts wieder frei gelegt bzw. rekonstruiert werden. Die Buntverglasung des Raumes ist, wie in fast allen Bereichen des Schlosses, verschollen. Zentral dargestellt war die Vogelhochzeit. Die große Fensterrosette zeigte einst das Wappen von Sarter, umringt von acht Wappen derjenigen Städte, aus denen die wichtigsten Firmen stammten, die an der Ausstattung bzw. Erbauung von Schloss Drachenburg beteiligt waren: Bonn, München, Köln, Stuttgart, Paris, Dresden, Düsseldorf und Berlin.