Denkmalschutz
und Restaurierung
1986
wurde Schloss Drachenburg unter Denkmalschutz gestellt. Die dringend
erforderlichen Schritte zu einer umfassenden Restaurierung leitete
1989 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung
Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege ein. Seit 1995
lässt die NRW-Stiftung in enger Kooperation mit der Stadt
Königswinter das Ensemble Schloss Drachenburg behutsam restaurieren.
Seit
April 2003 informiert die Sonderausstellung "Wegen
Renovierung geöffnet - Einblicke in die Baustelle Schloss Drachenburg"
ausführlich über die Restaurierungsarbeiten.
Schadensbilanz
Im 2. Weltkrieg war vor
allem die rheinseitige
Westfassade durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt worden.
Die Mittelkuppel der Kunsthalle wurde nahezu zerstört. Einschusslöcher
übersähen bis heute die Fassaden. Die kostbaren Buntglasfenster,
die in der Kunsthalle und in den Repräsentationsräumen des
Schlosses zu sehen waren, wurden vollständig zerschossen, lediglich
das große Treppenhausfenster auf der Ostseite blieb glücklicherweise
erhalten. Auch die Ausstattung der historischen Innenräume wurde
stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Einquartierung von alliierten
Truppen und Flüchtlingen fehlten große Teile der Wandgemälde,
die von den Wänden gerissen
und gestohlen wurden.
Erste Sicherungsmaßnahmen erfolgten 1948: Die Kunsthalle erhielt
ein Notdach, zerstörte Fenster konnten geschlossen, die Innenräume
wieder bewohnbar gemacht werden. Doch bereits 1960 setzte wieder der
Verfall ein, als das Schloss für 10 Jahre leer stand und durch
Vandalismus und Verwitterung erneut schweren Schaden nahm. Die Instandsetzungsarbeiten
in den 1970er Jahren retteten das Schloss vor dem Abriss, eine grundlegende
und aus heutiger Sicht denkmalgerechte Sanierung und Restaurierung
blieb jedoch aus.
 |
 |
 |
| Zerstörte
Kunsthalle |
Zerschossene
Fenster |
Gestohlene
Gemälde |
Chronologie
der Restaurierung
Ein
umfangreiches, 1994 fertiggestelltes Gutachten bildet die Grundlage
für die auf 12 Jahre geschätzten Restaurierungsarbeiten.
Im Rahmen der Bestandsaufnahme mussten u.a. Hunderte von detailgetreuen
Plänen gefertigt werden, da bis zum heutigen Tage keine Unterlagen
aus der Erbauungszeit auffindbar sind.
Zunächst galt es, den Bestand zu sichern und weiterem Verfall
vorzubeugen.
Alle Ver- und Entsorgungsleitungen mußten erneuert, Wasser-,
Strom-, Gas-, Fernmelde- und Abwasserleitungen neu verlegt werden.
Jeder Quadratmeter der großen Parkanlage wurde untersucht, steinerne
Zeugen der Bauwerksgeschichte gesichert und aufgearbeitet. Feuerwehrzufahrt,
Baustraße, Lagerplätze und Zugänge auf historischen
Trassen wurden neu geschaffen. Parallel dazu begann die Sanierung
der ca. 1,6 km langen Schlossparkmauer, die mittlerweile zu etwa einem
Drittel abgeschlossen ist, u.a. im Rahmen einer wirksamen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
 |
 |
 |
| Steinlager
am Schloss |
Steinerne
Zeugnisse |
Nummerierte
Fundstücke |
Terrassenmauer
Als
1995 die Sanierungsarbeiten am Schloss begannen, galt den Fundamenten
und der umlaufenden Terrasse die größte Aufmerksamkeit.
Die ca. 240 m lange, an der Basis mehr als 2 m mächtige Terrassenmauer
besteht aus Bruchsteinmauerwerk mit einer Verblendung aus Natursteinquadern.
Durch mangelnde Bauunterhaltung und Witterungsschäden war die
Mauer so brüchig geworden, dass Teilbereiche einzustürzen
drohten. Bei den Voruntersuchungen zeigte sich, dass sich die Natursteinquader,
Trachyt von der benachbarten Wolkenburg, fast vollständig von
dem Bruchsteinmauerwerk losgelöst hatte. Bei den dringend erforderlichen
Sanierungsarbeiten wurde das lockere Bruchsteinmauerwerk durch Verpressung
stabilisiert. Anschließend wurde eine Betonschale vor das Bruchsteinmauerwerk
gesetzt und mit diesem fest verankert. Die Betonschale wurde anschließend
mit detailgetreu rekonstruierten Natursteinquadern verblendet, um
der Terrassenmauer ihre ursprüngliche Optik zurückzugeben.
Für die Verblendung mußte auf Trachytsteine aus dem Westerwald
zurückgegriffen werden, da die bauzeitlichen Steinbrüche
im Siebengebirge schon seit langem geschlossen sind und heute im Naturschutzgebiet
liegen. Für die Mauerkrone konnten die originalen Werksteine
wiederverwendet werden.
 |
 |
 |
| Terrassenmauer |
Saniertes
Mauerwerk |
Natursteinverblendung |
Venusterrasse
Im Zuge der Sanierung der Terrassenmauer wurde 1998 auch die Venusterrasse
vor der südlichen Schlossfassade denkmalgerecht rekonstruiert.
Die Terrasse mit der historischen Brunnenanlage erhielt eine Reihe
kastenförmig geschnittener Lindenbäume, eine Rasenfläche
mit Rosenstöcken und ein kegelförmiges Schmuckbeet, das
gemäß der Gartenkunst der Gründerzeit in geometrischen
Formen alljährlich bunt bepflanzt wird. Der Venusbrunnen konnte
wieder in Betrieb genommen werden, so dass heute erneut das Wasser
aus Löwenmasken in die zwei darunterliegenden Schalen plätschert.
 |
 |
 |
| Zugang
vom Park |
Schmuckbeet |
Venusbrunnen |
Nordturm
Der
mächtige, gut 37 m hohe Nordturm wurde in rund zweijähriger
Bauzeit innen und außen vollständig saniert. Die Mauerkrone
aus rotem Sandstein zeigte starke Schäden, da hier die Werksteine
mit nicht rostfreien Materialien verklammert worden waren. Die Steine
- bis zu 4 Tonnen schwer - wurden abgetragen, restauriert, neu versetzt
und mit Edelstahl verankert. Restauratoren beschäftigten sich
parallel dazu in liebevoller Kleinarbeit mit der Bauzier: den überlebensgrossen
Nischenfiguren, dem Wappen des Erbauers, den Mosaiken, den Gewölben
und Treppen, der Fahnenstange u.ä..
Die ursprünglich nicht zugängliche Turmkrone wurde über
eine moderne Wendeltreppe erschlossen und durch eine neue Aussichtsplattform
ergänzt. Im Sommer 2000 konnte der Turm der Öffentlichkeit
übergeben werden. Damit bietet sich erstmals die Möglichkeit,
über die Zinnen des Turmes hinweg einen eindrucksvollen Blick
über Rheintal und Siebengebirge zu genießen.
 |
 |
 |
| Turm
von Nordwesten |
Sanierte
Mauerkrone |
Nordturmfigur |
Kunsthalle
In den Jahren 2001
bis 2004 wurde die prachtvolle Kunsthalle
instandgesetzt. Sie war im 2. Weltkrieg besonders schwer getroffen
worden. Die zentrale Mittelkuppel mit der charakteristischen Turmspitze
war so stark beschädigt, dass sie 1948 abgetragen werden musste.
Die entstandene Baulücke wurde mit einem Notdach gesichert, das
innen liegende Gewölbe provisorisch hergestellt. Im Zuge der
Restaurierung wurden auch die Maßwerkfenster erneuert, so dass
die Fassaden nun wieder vollständig durchfenstert sind. Die zerstörte
Dachlandschaft konnten 2002 nach umfangreichen Vorarbeiten rekonstruiert
werden. Die Kuppel mitsamt des Gewölbes wurde vor Ort neu errichtet.
Die Kuppelspitze, im Ganzen gefertigt und angeliefert, wurde im August
unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit mit einem Kran
auf die Kuppel aufgesetzt.
 |
 |
 |
| Transport
im Park |
Montage
per Kran |
Spitze
und Nordturm |
Wohntrakt
Mit
der Restaurierung des Wohntraktes begann der aufwändigste Abschnitt
der Arbeiten. Neben der dringend notwendigen Außensanierung
mussten die historischen Innenräume mit ihren Wandgemälden,
Vertäfelungen, Fußböden und Prunkdecken restauriert
werden. Im Jahr 2007 wurden die aufwändigen Restaurierungsarbeiten
in Nibelungenzimmer, Bibliothek und Billardzimmer fertig gestellt.
Im April 2009 konnten das Privat-Appartement mit Schlafzimmer, Toilettezimmer
und Frühstückszimmer sowie der Musiksaal eröffnet werden
und seit Juli 2009 bietet auch das Ehrenfremden-Appartement mit zwei
Schlafzimmern und einem Wohnzimmer einen authentischen Einblick in
die großbürgerlich-herrschaftliche Wohnkultur der Gründerzeit.
Diese privaten Räumlichkeiten können innerhalb von öffentlichen
Führungen besichtigt werden.
Als letzter Bauabschnitt werden derzeit das Speisezimmer, das Jagd-
und Frühstückszimmer sowie das Haupttreppenhaus restauriert.
Voraussichtlich im Dezember werden diese letzten Arbeiten im Inneren
des Schlosses abgeschlossen sein.