Fremden-Schlafzimmer (Nordturm)

„ ...von dem Balkon und Erker dieses zufolge seiner erhöhten Lage wohl aussichtsreichsten Zimmers des Schlosses bietet sich eine unvergleichlich schöne Fernsicht auf das ganze Rhein- und Gebirgs-Panorama dar...“ 
(Drachenfels und Schloss Drachenburg bei Königswinter am Rhein, o. D. (um 1904).)

Ursprünglich diente das heutige „Trauzimmer“ im Nordturm von Schloss Drachenburg als Gästeschlafzimmer. Dem Geschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts entsprechend, war der Raum im neogotischen Stil ausgestattet. Eine überlieferte Postkarte aus dem Jahr 1905 zeugt beispielsweise noch von dem monumentalen Himmelbett mit reichen Schnitzereien, einer Gebetbank, dem mittelalterlich angehauchten Kronleuchter und einem Truhenmöbel. Eine um 1904 publizierte Boschüre berichtet über den „wohl nicht ohne Grund über das Kneipzimmer verlegten prachtvollen Schlafraum“

„Die Bonner Firma J. Vershoven Nachfolger hat es hier verstanden, durch ein überaus geschmackvolles und behagliches, dem strenggotischen Stile des Schlosses entsprechende Meublement den weitgehendsten Anforderungen zu entsprechen. Das antike Oelgemälde über der Gebetbank in der Ecke des Zimmers stellt eine Maria Himmelfahrt dar und entstammt einem unbekannten Meister der älteren italienischen Schule.“

Während die Inventarverzeichnisse der Jahre 1910 und 1930 noch vom „reich geschnitzten Schlafzimmer“ berichten und die ursprüngliche Möblierung auflisten, verwandelte sich das einst so romantische Nordturmzimmer in den 1930er Jahren, zur Zeit der Katholischen Heimschule St. Michael auf Schloss Drachenburg, zu einem Schulzimmer. Ab 1941, in der darauffolgenden Zeit der Adolf-Hitler-Schule, war hier das Büro des Schulleiters untergebracht.

In den 1980er Jahren schließlich erfüllte der Raum wiederum – eingerichtet mit neobarockem Himmelbett, Kommode und Sitzmöbeln – seinen ursprünglichen Zweck als Schlafzimmer, genauer als „repräsentatives“ Schlafgemach und Damenzimmer von Erina von Sachsen, der Ehefrau Paul Spinats. Noch heute zeugen die in den Farben weiß und gold gestaltete Tür mit den aufgemalten Initialen Spinats sowie das Deckengemälde „Die Erziehung Amors durch Venus und Merkur“, in dem sich Spinat als Merkur mit Erina als Venus darstellen ließ, von dieser Zeit. 

Heute dient der Raum als romantisches Trauzimmer hoch über dem Rhein und nimmt somit die Symbolik der Liebesgöttin Venus und des kleinen Amor auf.