Bibliothek

„Die beachtenswerten Holzdecken, Türen, Tapeten etc. sind hier, wie durchweg im ganzen Schlosse, von gediegenster und kunstvollster Ausführung.“ 
(Drachenfels und Schloss Drachenburg bei Königswinter am Rhein, o. D. (um 1904).)

Neben der obligatorischen Funktion als Arbeitszimmer – bestückt mit Schreibtisch, Ablagetisch, Bücherschrank – sollte die Bibliothek auf Schloss Drachenburg – mittels ihrer hochwertigen und zudem künstlerischen Ausgestaltung – vornehmlich repräsentative Zwecke erfüllen. Das ursprünglich im darüber liegenden Geschoss angesiedelte „private“ und wohl „eigentliche“ Arbeitszimmer unterstreicht die Interpretation der im Erdgeschoss eingerichteten Bibliothek als „öffentliche“ Studierstube. Gemeinsam mit dem angeschlossenen Jagd- und Billardzimmer fungierte die Bibliothek als Herrenzimmer und zugleich Gesellschaftszimmer. Beide Räume beweisen Stephan von Sarters Empfänglichkeit gegenüber neuesten Wohntendenzen: Einrichtung und selbst Dekoration orientierten sich an aktuellsten zeitgenössischen Ausstattungsratgebern. Die hoch gelobte Holzausstattung dieser Salons fertigte die Kölner Firma Pallenberg in den Jahren 1884-1885 im damals beliebten Stil der „Deutschen Renaissance“.

Sämtliche Möbelstücke und Ausstattungselemente wurden eigens für die spezifischen Raumzwecke konzipiert. Selbst die inzwischen verschollenen Glasmalereien der Fenster, ausgeführt von der Mayer’schen Kgl. Hofkunstanstalt München, waren Teil des durchdachten Raumkonzeptes. Sie bildeten die „verschiedenen Wissenschaftszweige“ Geschichte, Rechenkunst, Astronomie und Geographie sowie den Nord- und Südpol ab (Entwurf Anton Nepomuk Seder).

Das „Bibliothekszimmer“ ist als solches geplant worden und hat seine Funktion langfristig beibehalten. Deshalb hat sich die ursprüngliche wandfeste Holzausstattung größtenteils bis heute erhalten. Die heutige bewegliche Einrichtung konnte mittels historischer Abbildungen und Beschreibungen rekonstruiert werden, so dass sich der Raum in annähernd originalem Zustand präsentiert.

Die über dem Sofa angebrachte Ölskizze „Die Überführung des Grundsteins zum Kölner Dom“ von Friedrich von Keller ist um 1884 als Entwurf für das gleichnamige Treppenhausgemälde auf Schloss Drachenburg entstanden und zählt zweifellos zu den wertvollsten erhaltenen Zeugnissen aus der Anfangszeit des Schlosses. Das Bildthema nimmt auf die örtliche Geschichte Bezug und zeugt gleichzeitig vom starken Nationalbewusstsein des Schlossherrn Stephan von Sarter.