Jagd- und Billardzimmer

„Kein „château“, keine bürgerliche Wohnung des 19. Jahrhunderts ohne Billardsaal.“ 
(L’Architecture privée au XIXe siècle, 1872. Zit. In: Ariès 1999.)

Vormals nur Adeligen vorbehalten, eroberten das Billardspiel und die Jagd im 19. Jahrhundert auch die bürgerlichen Kreise. Die Berücksichtigung dieser neuesten Freizeitbeschäftigungen war bei der Raumplanung eines großbürgerlichen Wohnsitzes, vor allem eines Landsitzes, geradezu Pflicht. Auch auf Schloss Drachenburg wurde eigens ein Salon, das Jagd- und Billardzimmer, eingerichtet. Der Raum diente als Spielzimmer und Aufbewahrungsort für Jagdwaffen und Jagdtrophäen, zudem bot er Platz für kurzweilige, gemütliche gesellschaftliche Treffen.

Wie in der angrenzenden Bibliothek lieferte der Architekt Franz Langenberg aus Bonn, mitunter Bauleiter von Schloss Drachenburg, die Einrichtungsentwürfe. Die Holzausstattung wurde 1884-1885 von der Kölner Firma Pallenberg gefertigt. Der Queue- und der Waffenschrank wurden eigens für das Raumkonzept erdacht. Selbst die Glasmalereien der Mayer’schen Kgl. Hofkunstanstalt bezogen sich ursprünglich auf den Themenkreis „Jagd“ und bildeten eine „anmutige, in leuchtenden Farben prangende Gestalt einer Diana von Professor Schraudolph“ sowie Jagdbeute ab.

Das Jagd- und Billardzimmer war bis einschließlich 1930 als solches zu besichtigen und wohl auch zu nutzen. Über die Ausstattung des Raumes während der darauf folgenden Schlossnutzung durch die Christlichen Schulbrüder kann lediglich spekuliert werden. Genauso im Dunkeln liegt das Wissen um die Inneneinrichtung für den Zeitraum 1941-1945, als das Schloss zur Heimstätte einer „Adolf-Hitler-Schule“, einer nationalsozialistischen Kaderschule wurde.

Nach dem Krieg wurde im Schloss Inventar beschädigt und entwendet, so auch im Jagd- und Billardzimmer. Ab 1948 fungierte der Raum als Schulungsraum für die Deutsche Reichsbahn. In der Zeit des Leerstands 1960-1971 verschwand weiteres Inventar. In der so genannten Spinat-Ära wurden Beschädigungen und Fehlstellen in der Holzvertäfelung notdürftig mit Epoxydharz ergänzt. Zudem mutierte der Raum zum Rittersaal, in dem zahlreiche Rüstungen und selbst ein rossgeharnischtes Holzpferd ihre Aufstellung fanden.

Nach seiner Restaurierung und Renovierung im Jahr 2006 orientiert sich die Ausstattung wiederum am originalen Erscheinungsbild, welches dank ausführlicher Beschreibungen, Fotografien sowie durch freigelegte Befundstellen rekonstruiert werden konnte.