Kneipzimmer

„ …ein mit auserlesenem, raffiniertem künstlerischen Geschmack ausgestattetes Buen-Retiro…“ 
(Drachenfels und Schloss Drachenburg bei Königswinter am Rhein, o. D. (um 1904).)

Das Kneipzimmer oder auch Trinkstübchen diente als Gesellschaftssalon – genauer genommen als Herrenzimmer. Hier versammelte sich die männliche Gesellschaft nach den offiziellen Terminen in intimer Atmosphäre zu vertraulichen Gesprächen und trinkseligem Beisammensein. 

Der Maler Hermann Schneider (1847-1918), ein Schüler des Historienmalers Carl Theodor von Piloty aus München, schuf für das Kneipzimmer die großformatigen und zudem lebhaften Gemälde. Die Wandbögen bilden im Norden die „Kindheit des Bacchus“ ab, im Osten und Westen „die Liebe des Bacchus zu Ariadne auf Naxos“ und im Süden den „Triumph des Bacchus“. Ergänzt werden diese Szenen von allegorischen Darstellungen in den Decken-feldern: Die „Träume von Liebe [im Süden], von Ehre und Ruhm [im Westen], von Reichtum [im Osten] und seligem Genießen [im Norden]“.

Gegen 1931 verschwanden die farbenfrohen Leinwände unter Tapeten, da die Schulbrüder die mythologischen Darstellungen für ein katholisches Internat als unangemessen und zu freizügig empfanden. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Artillerietreffer die „entzückenden Glasmalereien“ der Erkerfenster. In den 1970er Jahren wurden die Bacchus-Gemälde im Deckenbereich wieder freigelegt und ergänzt, die Wandflächen wurden nach historischen Postkartenvorlagen neu gefasst. Bei den im Jahr 2003 durchgeführten Restaurierungsarbeiten sicherte und reinigte man sukzessive und sorgfältig die Gemälde, spätere Übermalungen wurden in Teilbereichen entfernt und Fehlstellen retuschiert. Zudem erhielt die zwischenzeitig weiß-gold lackierte Wandvertäfelung ihre originale Holzsichtigkeit zurück.

Die ursprüngliche bewegliche Ausstattung hat sich nicht erhalten. Die heutige historische Möblierung orientiert sich am Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts und lädt wiederum, zusammen mit den Gemälden, zu „heiterem Lebensgenusse“ und „Ausruhen von Arbeit und Sorgen“ ein.