Kunsthalle

„ …märchenhafter Saal, der ganz von Glas aufgebaut erschien … Dichter und Musiker, die Charakterköpfe der großen Denker und Künstler, Staatsmänner und Erfinder aller Länder und Zeiten bis auf den heutigen Tag … wie schön …, dass er ihnen allen solch ein Denkmal setzte in seinem Prachtschlosse.“ 
(Elise Polko. In: Kurze Notiz über das Schloss Drachenburg am Rhein, o. D. (um 1900).)

Zwar suggeriert die Raumbezeichnung die Vorstellung einer aristokratischen Bildergalerie, doch ist die Kunsthalle nie für die Hängung von Gemälden konzipiert worden. Ihre Besonderheit bestand vielmehr in der Präsentation von Glaskunst, für welche die aneinander gereihten hohen Fenster genügend Flächen boten. Das Bildprogramm der Fenster präsentierte einst berühmte Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Weltgeschehens, der Kunst und Wissenschaft: Entdecker, Komponisten, Maler, Dichter, Politiker, Bildhauer, Baumeister, Königinnen, Kaiserinnen und Erfinder.

Für den Gesamtentwurf der Glasmalereien in der Kunsthalle war Wilhelm Hoffmann verantwortlich, mitunter einer der Architekten von Schloss Drachenburg und einst Lehrling am Kölner Dom, wo er an Ornamentfenstern mitwirkte. Die Anfertigung der kostbaren Scheiben oblag der Königlich Bayerischen Hofglasmalerei Franz Xaver Zettler in München, welche 1930 von der Mayer’schen Hofkunstanstalt übernommen wurde. Gemäß einer Bildergalerie in Palastbauten demonstrierte die „Glaskunstgalerie“ auf Schloss Drachenburg die Bildung, den guten Geschmack und den Wohlstand des großbürgerlichen Hausherrn Stephan von Sarter. Den Besuchern und Gästen repräsentativer Feste und Empfänge bestätigte dieser kuppelüberwölbte Saal die gesellschaftliche Bedeutung und das kosmologische Bild seines Besitzers.

In den Jahren 1931-1938 diente die Kunsthalle den Christlichen Schulbrüdern als Kapelle. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kuppel zerstört, ferner gingen sämtliche Glasfenster zu Bruch oder verschwanden. Notdürftig wieder aufgebaut nutzte die Reichsbahnzentralschule den großen Saal zur Aufstellung eines Stellwerks. Wiederum repräsentativen – jedoch veränderten – Charakter erlangte die Kunsthalle in den 1970er Jahren, als der neue Schlossherr Paul Spinat hier ein üppiges Gründerzeittreppenhaus einbauen ließ.

Die jüngste, im Jahr 2004 abgeschlossene Renovierung und Restaurierung der Kunsthalle orientierte sich dagegen am originalen Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts. So unterstreichen heute wieder die nach Originalbefunden angelegte farbige Gestaltung und aufwändige Schablonenmalereien deren prachtvollen Raumeindruck.