Nibelungenzimmer

„ …Helden und Heldinnen, alles in prächtigster Harmonie zu der auch im übrigen künstlerischen Ausgestaltung dieses Raumes, der jedem Besucher unvergesslich bleiben wird…“
(Drachenfels und Schloss Drachenburg bei Königswinter am Rhein, o. D. (um 1904).)

Die Raumbezeichnung „Nibelungenzimmer“ rührt von Frank Kirchbachs (1859-1912) Darstellungen der großformatigen Wandgemälde her. Diese zeigen zehn schlüsselhafte Szenen aus dem Nibelungenlied. Auch die Glasmalereien der Fenster zeigten ursprünglich Protagonisten und Motive des Nibelungenliedes. Die bedeutsame Ausmalung, welche indirekt über die Intentionen des Hausherrn informiert, indem sie (Staats-)Treue, politische Gesinnung, Männlichkeit sowie martialische Tugenden spiegelt, weist auf die Funktion des Raumes als Herrenzimmer hin. Hier zogen sich die Männer nach dem Diner zu politischen oder nur frivolen Gesprächen zurück, es war Konversationszimmer, ferner Rauchzimmer. Die kontrastreiche Ausgestaltung diente dabei auch der Anregung von Gesprächen. Zugleich war das mittelalterlich inszenierte Raumambiente dem Hausherrn ein Rückzugsort, Ort der Phantasiereise in die Vergangenheit.

Im Zuge der wechselreichen Schlossgeschichte hatte das Nibelungenzimmer verschiedene Zwecke zu erfüllen und erfuhr dementsprechende Umgestaltungen. Bis 1930 war der Raum in seinem ursprünglichen Zustand zu besichtigen, 1931-1938 diente er den Schulbrüdern als Lehrerzimmer. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Glasgemälde sowie Teile der Innenausstattung zerstört. Die Reichsbahnzentralschule richtete um 1948 im Nibelungenzimmer das Direktorenzimmer ein. Ab 1960, in der Zeit des Leerstands, erlitten die Wandgemälde auf Grund von Wasserschäden, aber auch durch mutwilligen Beschnitt und Entwendung schwere Beschädigungen. In der „Spinat’schen Ära“ ab 1971 näherte sich die Ausstattung wieder dem gründerzeitlichen Eindruck an. Fehlende Leinwandpartien wurden ergänzt.

Seitdem haben Temperaturschwankungen, Feuchte und unsachgemäße Behandlung der Holzausstattung und den Gemälden kontinuierlich zugesetzt. Um diese einmaligen Zeugnisse des 19. Jahrhunderts zu bewahren, wurde der gesamte Raum im Jahr 2006 in Anlehnung an das bauzeitliche Erscheinungsbild sorgfältig restauriert, behutsam