Empfangssaal

„ …Im herrschaftlichen Wohnhause findet sich oft ein Zimmer vor, dazu bestimmt, kurzwährenden Besuch aufzunehmen und zugleich bei Festlichkeiten in die Reihe der Gesellschaftszimmer einzutreten: das Empfangszimmer...“ 
(Durm, Josef: Handbuch der Architektur, 1902)

Gemäß den architektonischen Ratgebern der Zeit leitet der Empfangssaal von Schloss Drachenburg die Reihe der Gesellschaftsräume in der Repräsentationsebene ein. Wie allgemein üblich, ist er zwischen Speisesaal und Salon (Nibelungenzimmer) angesiedelt. Die sehr großzügige Raumgröße des Empfangssaals signalisiert, dass er häufig gesellschaftlichen Zwecken dienen sollte. Daher ähnelt seine Ausstattung auch derjenigen eines Salons, d. h. Sitzmöbel stellen die wichtigsten Möbelstücke dar. Entsprechend seiner Funktion ist der Empfangsraum äußerst repräsentativ ausgestattet. Schlossbroschüren des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beschreiben lebendig den „ ...großen Empfangssaal, in welchem (...) zunächst die wundervoll geschnitzte Holzdecke, die zwei stilvolle Kronleuchter in sich aufnimmt, (...) (das) Auge fesselt.“ 

Die Entwürfe zu der prachtvollen Schnitzwerk-Ornamentik auf Türen, Wandtäfelung und Decken stammen von Franz Langenberg, dem Bauleiter von Schloss Drachenburg. Eines der wichtigsten Ausstattungselemente des Empfangssaals ist heute – bis auf ein Element – auf Grund der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nicht mehr vorhanden: Die farbige Verglasung, die fast alle Räume des Schlosses mit ornamentalen und figürlichen Darstellungen schmückte. In den spitzbogenförmigen Oberlichtern der Balkontüren fanden sich einst die Darstellungen von Tag und Nacht. Auf den Oberlichtern der fünfteiligen westlichen Fensterfront waren Frauenfiguren, die Personifikationen der fünf Sinne Geruch, Geschmack, Sehsinn, Hörsinn und Tastsinn dargestellt, wobei die Personifikation des Geschmackssinns einst von einem Privatmann aus den Schuttbergen des Zweiten Weltkriegs gerettet werden konnte. Die Entwürfe für die Buntverglasungen des Empfangssaals lieferte Fritz Birkmeyer, angefertigt wurden die Gläser 1884 von der königlichen Hofglasmalerei von Fr. X. Zettler in München.

Durch das gedämpft einfallende Tageslicht, das dunkle Holz und die farbigen Wände wirkte der Raum einst wesentlich dunkler als heute. In dunklen Räumen zu wohnen, galt in der Gründerzeit, also in den Jahrzehnten nach 1871, als besonders vornehm. Dem Geschmack des 19. Jahrhunderts entsprechend wurde im Empfangssaal eine Büste platziert, eine Kopie des Kopfes vom antiken Apoll von Belvedere. Die marmorne Büste ist seit 1995 erneut Bestandteil des Inventars von Schloss Drachenburg. Seine zentrale Platzierung vor der westlichen Fensterfront geschah natürlich nicht ohne Grund. Sicherlich wollte der Hausherr Sarter die Eigenschaften des Apollon, Gott der Jugend, der Kunst (insbesondere der Musik und Dichtung), des Wissens und des Denkens, auch auf sich übertragen wissen. Quasi jeder Besucher passierte diesen Raum und registrierte die versteckte Symbolik der Büste.