Privatebene

Die zweite Etage des Schlosses beherbergt – im Gegensatz zu den repräsentativen Gesellschaftsräumen im Erdgeschoss – zwei in sich geschlossene private Wohnappartements. Nach Norden liegt das Privatappartement des Schlossherren Stephan von Sarter, das aus Arbeits-, Ankleide-, Schlaf- und Frühstückszimmer besteht. In südlicher Richtung befindet sich das Ehrenfremdenappartement, das für Gäste des Schlosses vorgesehen war, bestehend aus einem Wohn-, zwei Schlaf- und ehemals einem Badezimmer. Getrennt werden die beiden Appartements von dem zentralen, für Gesellschaften vorgesehenen Musiksaal. Die Räume der Privatappartements sind im Norden und Süden durch Nebenflure zu erreichen. Zudem gehen von diesen Fluren die schlichten Nebentreppenhäuser ab, die für das Personal zur Versorgung aller Ebenen vorgesehen waren.

Trotz des privaten Charakters wurde der Ausstattung der beiden Appartements ein ebenso qualitätvoller wie repräsentativer Wert beigemessen. So schwärmte bereits kurz nach der Fertigstellung 1884 die Schriftstellerin Elise Polko von den romantischen „Ehren-, Wohn- und Schlafkemenaten“. Tatsächlich waren renommierte Firmen mit der Ausstattung der Räumlichkeiten betraut. Im Privatappartement lieferte beispielsweise die Pariser Firma Jouvenau die Palisandermöbel für Arbeits-, Toilette- und Schlafzimmer und die Mainzer Firma Bembé die Möbel für das Frühstückszimmer. Im Zuge der Schlossumnutzung als Schule wurden diese Möbel allerdings 1930 versteigert, um in den Appartements Klassenzimmer unterbringen zu können. Die Ausstattung und Nutzung des Musiksaals dagegen behielt man bei.

Ein Originalausstattungsstück, ein Porzellangemälde, das eine Kopie des berühmten Rubens-Gemälde „Raub der Töchter des Leukippos“ zeigt, konnte 2002 wieder angekauft werden. Der zweite Schlossbesitzer J.H. Biesenbach hatte das sich ursprünglich über dem Betthaupt des Schlossherrn befundene gerahmte Gemälde beim Verkauf des Schlosses 1910 mitgenommen und später verkauft. Besonders hervorzuheben sind in dieser Ebene die holzmaseriert bemalten Stuckgipsdecken der Räume. Diese täuschen vor, es handele sich um Zimmerdecken aus Holz. Teilweise sind diese noch mit Schablonenmalereien versehen, die den Anschein von Intarsienarbeiten haben.

Der letzte Privatbesitzer Paul Spinat stattete die Räume nicht nach der ursprünglichen Nutzung und nicht mit Mobiliar der Gründerzeit aus. So beherbergte zum Beispiel das in den 1930er Jahren als ein Raum zusammengefügte Ankleide- und Arbeitszimmer des Privatappartements ein Schlafzimmer, das als „Pompadour“-Zimmer eingerichtet war (mit dem angeblichen Bett der Madame Pompadour). Mit der Restaurierung der Räume sind diese wieder, in Anlehnung an die alten Beschreibungen und frühen Inventare, mit Möbeln aus der Zeit der Erbauung von Schloss Drachenburg ausgestattet. Die Räume der Privatebene können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.